VanAssist: Das autonome Zustellfahrzeug der Zukunft

Der bis zum Jahr 2025 zu erwartende Anstieg der jährlich in Deutschland transportierten Pakete um 40 % auf rund 5,7 Milliarden verlangt innovative Lösungen. Deshalb arbeitet die Logistikbranche aktiv an neuen und nachhaltigen Zustellkonzepten, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Mit VanAssist wurde seit Ende 2018 ein vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördertes Kooperationsprojekt bearbeitet, das helfen soll, personelle Ressourcen zu schonen, der Verkehrsdichte in Ballungsräumen entgegenzutreten und die Emissionsreduzierung voranzutreiben. Entwickelt wurde ein autonom fahrendes Zustell-Elektrofahrzeug.

 

Das im Projekt VanAssist entwickelte Versuchsfahrzeug kann nicht nur die Navigation im Straßenverkehr übernehmen, sondern auch eigenständig Parkplätze suchen. So könnten sich Zusteller künftig vollends auf den Service auf der letzten Meile konzentrieren.

 

Hinter VanAssist stehen neben dem internationalen Paket- und Expressdienst DPD aus Aschaffenburg als wissenschaftliche Projektpartner die TU Braunschweig, die TU Clausthal, die Hochschule Offenburg und die Universität Mannheim sowie die Industriepartner BridgingIT GmbH, IAV GmbH, Ibeo Automotive Systems GmbH und ZENTEC GmbH. In der Entwicklung fokussierten sich die beteiligten Partner darauf, das autonome Fahrzeug so zu konzipieren, dass es den stetig steigenden Anforderungen auf der letzten Meile der Paketzustellung gerecht werden kann. Vor allem Lauf- und Fahrwege einer Pakettour sollen optimiert werden. Entsprechend ist das Versuchsfahrzeug dank intelligenter Navigationssoftware dazu in der Lage, selbstständig Haltepunkte anzusteuern und in Echtzeit auf Veränderungen im Straßenverkehr zu reagieren.

 

Das VanAssist-Versuchsfahrzeug arbeitet im sogenannten Rendezvous-Modus. Dieser sieht vor, dass das Fahrzeug die Strecke vom Depot zum Zustellgebiet autonom zurücklegen kann. Der Zusteller steigt erst an einem vordefinierten Treffpunkt zu. Wann immer der Zusteller anschließend ein Paket zustellt, steuert das Fahrzeug automatisch den nächsten festgelegten Haltepunkt an. So wartet der Van immer genau an der Stelle auf den Paketzusteller, an der dieser das nächste Paket benötigt oder aber zur nächsten Adresse mitgenommen werden möchte.

 

Ist der geplante Haltepunkt nicht verfügbar, teilt das Fahrzeug dem Zusteller über eine eigens programmierte Smartphone-App mit, an welchem alternativen Punkt es auf ihn wartet. Die App-Steuerung ermöglicht es zudem, Zustellrouten nach Bedarf flexibel anzupassen. Auch eine Indoor-Navigation wurde integriert, die den Zusteller in großen Bürooder Industriekomplexen im Gebäudeinneren schnell zum anzusteuernden Übergabepunkt führt.

 

Perspektivisch stellen diese Funktionen eine deutliche Erleichterung der täglichen Arbeit der Paketzusteller dar. Die Suche nach Parkplätzen und Adressen entfällt, stattdessen können sich die Arbeitskräfte voll und ganz auf die eigentliche Paketzustellung konzentrieren.

 

VanAssist zeigt zukünftigen Bedarf auf

Für DPD Deutschland hat das Förderprojekt VanAssist vor allem aufgezeigt, welche Entwicklungen vonnöten sind, um autonom fahrende Zustellfahrzeuge in den Arbeitsalltag zu integrieren. „Unsere Tests haben gezeigt, dass wir einen Leitstand benötigen, der immer dann eingreift, wenn auf der Tour etwas Unvorhergesehenes passiert, bei dem das Fahrzeug nicht selbstständig entscheiden kann, was zu tun ist. Das kann ein verdeckter Sensor oder aber eine versperrte Straße sein“, sagt Gerd Seber, Group Manager City Logistics & Sustainability bei DPD Deutschland. „Wir haben erkannt, dass wir unsere Tourenplanung grundlegend neu denken müssen. Denn zukünftig wird nicht nur relevant sein, an welche Adresse wir ein Paket bringen, sondern auch, wo wir zu diesem Paket nahegelegene Haltepunkte identifizieren und im System hinterlegen können“. Doch auch für Städte wird es in der Umsetzung von autonomen Fahr- und Zustelllösungen neue Herausforderungen geben. „Es bedarf zum einen vereinheitlichter intelligenter Ampeln und Verkehrszeichen. Zum anderen benötigen wir speziell für den Lieferverkehr reservierbare Ladezonen, zu denen wir unsere Fahrzeuge navigieren können“, sagt Seber.

 

Nach dem erfolgreichen Projektabschluss Ende Juni 2021 soll das Versuchsfahrzeug in einem Praxistest im nächsten Schritt im Straßenverkehr zum Einsatz kommen. Bislang konnte das Fahrverhalten nur auf einem universitären Testgelände begutachtet werden.

 

Für die Realisierung von VanAssist standen dem Konsortium insgesamt 4,3 Mio. Euro Budget zur Verfügung, davon eine Fördersumme in Höhe von 2,7 Mio. Euro seitens des Bundes. Konsortialführer im Projekt war die DPD Deutschland GmbH in Aschaffenburg, unterstützt wurden Konsortialführer und Konsortium bei Projektadministration und -durchführung durch das Technologie- und Gründerzentrum ZENTEC GmbH aus Großwallstadt.

 

Weitere Informationen zum Projekt sowie Videos und Fachpräsentationen finden sich unter www.vanassist.de.

 

Ansprechpartner

Gerd Seber

DPD Deutschland GmbH

Wailandtstraße 1

63741 Aschaffenburg

06021 843 164

gerd.seber@dpd.de

www.dpd.de

Thorsten Stürmer

ZENTEC GmbH

Industriering 7

63868 Großwallstadt

06022 26-1115

stuermer@zentec.de

www.zentec.de