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Interview

„Internationalisierung und Erweiterung unserer Produktpalette machen uns attraktiv und wettbewerbsfähig.“

Alexander Wiegand im Gespräch mit den Z! Redakteurinnen

Alexander Wiegand

Alexander Wiegand

Die Firma WIKA ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Miltenberg. Das Unternehmen wurde 1946 von Alexander Wiegand gegründet und wird nun von seinem gleichnamigen Enkel in der dritten Generation geleitet. WIKA ist Marktführer im Bereich Druck- und Temperaturmesstechnik und in mehr als 40 Ländern weltweit tätig.

Z! Herr Wiegand, Ihr Großvater gründete gemeinsam mit Herrn Kachel 1946 das Unternehmen WIKA. Welche Voraussetzungen und Basisqualifikationen hatte er für einen erfolgreichen Start?

Während der Weltwirtschaftskrise hatte mein Großvater als leitender Ingenieur bei der Firma IG Farben mit der Fertigung von Manometern (Druckmessgeräte) begonnen. Diese Erfahrung kam ihm nach dem Krieg zu Gute, denn das damalige Zentrum der Messtechnik lag in Ostdeutschland und somit hinter dem eisernen Vorhang. Im Westen konnten er und Herr Kachel somit eine entstehende Versorgungslücke im Messmittelbereich schließen. Je nach Verfügbarkeit von Einsatzmaterialien produzierten sie in den Anfangsjahren aber auch Feuerzeuge, Töpfe und andere Gebrauchsgüter.

Z! Als Ihr Großvater 1951 überraschend starb, wie ging es da weiter?

Mein Vater war damals gerade 27 und kein Ingenieur, sondern Jurist. Dennoch stieg er nach anfänglichem Zögern in die Fußstapfen meines Großvaters und setzte sehr stark auf Expansion. Das bedeutete enorme Investitionen, bei denen Herr Kachel irgendwann ausstieg, da es ihm zu riskant erschien. Während WIKA weiterhin Druckmessgeräte produzierte, konzentrierte sich die Firma Kachel ausschließlich auf Thermometer. Das Wachstum in den folgenden Jahren war so stark, dass alle verfügbaren Räumlichkeiten in Trennfurt gemietet wurden, um die Produktion unterzubringen. Als das nicht mehr reichte, erwarb mein Vater 1960 ein
50.000 qm großes Firmengelände in Trennfurt, das heute noch der Kern unseres Betriebsgeländes ist.

1950 - Manometer

1950 - Manometer

Z! 50.000 qm klingt sehr pompös. War das notwendig?

Im Nachhinein hat sich das als sehr weitblickend erwiesen. Damals hätte es freilich auch zunächst was Kleineres getan. Und sicher wurde er ob seines Größenwahns belächelt. In den 60ern entstanden jedenfalls die Halle 1 mit etwa 5.000 qm sowie ein Verwaltungsgebäude, ein Versandgebäude und eine Kantine. Es lief alles sehr gut, bis mein Vater 1967 starb. Meine Mutter war damals gerade 30 Jahre und hatte drei kleine Kinder: meine Schwester, die Älteste, wurde gerade eingeschult, mein Bruder war 8 Monate und ich 4 Jahre alt.

Z! Trotz des Schocks sprang Ihre Mutter dann ein und machte einen ebenso brillanten Job!

Ja, sie hat viele nachhaltige Entscheidungen getroffen, die WIKA den Weg zum weltweiten Marktführer bereiteten. Sie hat beispielsweise entgegen des Rats des Beirats entschieden, dass sie beim Verkauf von VDO an Mannesmann die Druckmess-Sparte übernimmt, damals unser größter Wettbewerber in Europa. Ein paar Jahre davor hatte sie die Firma Kachel gekauft, die nach wie vor Temperaturmesstechnik herstellte. Der Firmeninhaber und ehemalige Partner meines Großvaters wollte sich zur Ruhe setzen. Auch führte sie die konsequente Internationalisierung weiter, die mein Vater begonnen hatte. Ihr Weitblick und Engagement wurde 1984 mit der Auszeichnung „Unternehmerin des Jahres“ belohnt.

Z! Druckmesstechnik ist eine Standardtechnologie. Was macht Sie so erfolgreich?

80% ist Standard, bei 20% der Applikationen gibt es besondere Anforderungen. Unsere große Stärke liegt darin, dass wir beides haben: qualitativ hochwertige Geräte für Standardanwendungen und das Know How, kundenspezifische Lösungen für besondere Anforderungen zu entwickeln. Eine unserer Spezialitäten ist es beispielsweise Druckmessgeräte mittels sogenannten Druckmittler an sehr schwierige Messumgebungen anzupassen. In der Prozessindustrie und der chemischen Verfahrensindustrie werden teilweise sehr heiße, sehr aggressive (zum Beispiel ätzende) oder sehr abrasive (abschleifende) Medien verwendet, die es nicht erlauben einfach ein Standardgerät einzusetzen.

2010 - moderner Druckschalter

2010 - moderner Druckschalter

Z! WIKA hat eine lange Tradition. Wie wollen Sie langfristig Ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern?

Seit 2001 verbessern wir unsere Prozesse mit KAIZEN, konkret mit der auf uns zugeschnittenen Toyota-Methode. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz konnten wir an zahlreichen Stellen enorme Verbesserungen herbeiführen. So zum Beispiel die Lagerbestände reduzieren, die Durchlaufzeiten senken, die Qualität steigern un die Entwicklungszeiten verkürzen. Insgesamt wurden wir damit operativ leistungsfähiger und werden auch weiterhin mit dieser Methode unsere Prozesse stetig verbessern. Daneben steigern wir kontinuierlich den Umsatz mit neuen, zumeist elektronischen Produkten.

Z! In welchen neuen Zielmärkten möchten Sie sich in den nächsten Jahren positionieren?

Da wir international gut aufgestellt sind, gibt es kaum noch wichtige neue Zielländer für uns. Dennoch verfolgen wir nach wie vor das Ziel, jährlich mindestens zwei neue Niederlassungen zu gründen. Dieses Jahr zum Beispiel in Chile, Weißrussland und eventuell in Vietnam. Weiteres Wachstum versprechen wir uns aber eher durch eine Verbreiterung der Produktpalette. Das heißt, dass wir auch Geräte für andere Messgrößen als Temperatur und Druck anbieten möchten. Unsere Kunden möchten oftmals nur einen Ansprechpartner für Messgeräte. Daher haben wir uns in den letzten Jahren auf diesem Gebiet durch Zukäufe verstärkt und werden dies in Zukunft konsequent weiterführen.

aktuelles Produkt-Programm

Z! Gibt es regionale Kooperationen?

Ja, ein interessanter Ansatz ist zum Beispiel unsere Zusammenarbeit mit MHM Harzbecher in Aschaffenburg. Wir planen ein Joint Venture zu gründen. Damit würden wir in den interessanten Markt der Medizintechnik einsteigen.

Z! Wie bewerten Sie den Standort Bayerischer Untermain?

Generell gut. Wir haben trotz der guten Anbindung zum Flughafen hier wettbewerbsfähige Kosten. Die Hochschule Aschaffenburg, die TU Darmstadt und die BA Mosbach sind gut zu erreichen, um gut qualifizierte Ingenieure für uns zu begeistern. Leider sind wir von den eigentlichen Hightech-Zentren Deutschlands z.B. Stuttgart oder München zu weit weg. Auch der Cluster Sensorik und Leistungselektronik rund um Regensburg ist nicht gerade um die Ecke.

Z! Als erfahrener Unternehmer, welchen Rat würden Sie heutigen Unternehmensgründer/innen mit auf den Weg geben?

Ich würde den Gründer/innen raten, das Geschäftsmodell gut zu durchdenken und auszuarbeiten. Wenn die Idee tragfähig ist, sollten sie sich nicht scheuen, einen Investor mit rein zunehmen. Denn der bringt nicht nur Geld, sondern vor allem auch Erfahrung und Kontakte ein, was die Erfolgswahrscheinlichkeit enorm erhöht.

Z! Vielen Dank für das interessante und nette Gespräch, Herr Wiegand.

 

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