Inhalt:
LESERBEFRAGUNG 2008
Wir danken allen, die an der Leserbefragung 2008 teilgenommen haben.
Hier die wichtigsten Aussagen in Kürze:
82% der Leser/innen lesen das Magazin regelmäßig
71% geben das Magazin in den Umlauf
90% werden von der Detailtiefe der Artikel angesprochen
Ergebnisse im Detail
INTERVIEW
Blutzucker messen ohne Blutentnahme?
Dr. Peter Herbrechtsmeier im Gespräch mit den Z! Redakteurinnen

Dr. Peter Herbrechtsmeier
Die Blutzuckerüberwachung gilt als wichtige Vorraussetzung, um schweren gesundheitlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen und Blindheit bei Diabetikern vorzubeugen. Eine exakte und dauerhafte Kontrolle kann somit Folgeerkrankungen vermeiden helfen und Gesundheitssysteme in Milliardenhöhe
entlasten.
Z! Hr. Dr. Herbrechtsmeier, was waren die Ansätze für eine neue Technologie gegenüber der herkömmlichen Methode?
Bislang sollten Diabetiker jeden Tag, ein Leben lang, 3-5 mal pro Tag sich in die Fingerkuppe zur Entnahme des Bluttropfens stechen, um mit Hilfe eines Messstreifens und eines Messgerätes den Blutzuckerspiegel zu bestimmen. Diese Messwerte dienen als Basis für eine maßgeschneiderte Therapie. Das Fingerstechen hält die meisten Diabetiker jedoch davon ab, häufigere Messungen durchzuführen, die wichtig wären, da der Blutzucker über den Tages- und Nachtverlauf innerhalb von z.B. einer Stunde große Schwankungen durchlaufen kann. Mehrere Messungen am Tag schaffen die Voraussetzung für eine optimale Steuerung des Blutzuckers und erlauben dadurch, Krankheitssymptome zu vermeiden.
Z! Wie kann diese Blutzuckerüberwachung künftig ohne Blutentnahme und mit großer Messgenauigkeit erfolgen?
Es wird schon seit vielen Jahren weltweit in Richtung alternativer Messtechniken geforscht, doch zu niedrige Messgenauigkeit, zu geringe Glukose-Spezifität und zu hohe Anwenderkosten haben bisherige Ansätz scheitern lassen, dem Wunsch der Diabetiker nach schmerzlosen und blutfreien Messverfahren gerecht zu werden. Unser Ansatz ist, dass der Diabetiker spontan selbständige Messungen durchführen kann, ohne Blutentnahme, ohne Schmerzen und mehrmals täglich, um so präventiv für seine Gesundheit zu agieren.
Z! Wie funktioniert diese neue schnelle Methode?
Den Blutzucker bestimmen die Diabetiker optisch in der Gewebeflüssigkeit unter der Bindehaut des Auges. Diesfunktioniert folgendermaßen: Der Diabetiker bekommt einmalig beim Augenarzt einen chemischen Sensor implantiert, der reversibel auf Blutzucker anspricht und entsprechend der Konzentration unterschiedliche Fluoreszenzlicht-Intensität aussendet, die mit einem Handgerät, das man vor das Auge hält, abgelesen wird. Das Einsetzen ist schmerzfrei und dauert maximal 5 Minuten mit lokaler Betäubung. Der Sensor kann bis zu einem Jahr getragen werden. Er ist 3 mm groß, 200 μ dick und besteht aus einem Hydrogel (70% Wasser).
Z! Wie kamen Sie gerade auf das Organ Auge?
Das Auge ist zwar ein sehr sensibles Organ, aber für unsere Zwecke, ein Implantat einzusetzen, ist es ideal. Im Gegensatz zu anderen Organen stößt es keine Fremdkörper ab, weshalb es z.B. problemlos möglich ist, eine künstliche Linse zu tragen. Die lokale Anästhesie ist schmerzlos und die OP-Wunde heilt ohne Komplikationen.

Z! Ab wann rechnen Sie mit dem Markteintritt?
Zur Zeit befi nden wir uns im Stadium der fortgeschrittenen Entwicklung. Die Zustimmung der Ethikkommission liegt uns bereits vor und es sind schon erste gute Resultate mit Patienten erzielt worden. Wir planen für 2011 den Markteintritt in Europa. Bis dahin laufen die Entwicklungen gerade im Bereich des Photometers, mit dem der Blutzuckerspiegel ermittelt wird, weiter.
Z! Und wie funktioniert der Markteintritt Ihrer Implantate?
Wir sind in der glücklichen Lage, dass jeder betroffene Patient einmal pro Jahr zur Vorsorge zum Augenarzt gehen sollte. Das ist unser Vertriebsweg, denn der Augenarzt verdient an der Implantation und hat somit ein Eigeninteresse, unser Produkt beim Patienten anzubieten. Und da es preislich nicht teurer als das herkömmliche Pieksen sein wird, werden sicher auch die Gesundheitskassen dieses Konzept mittragen. Natürlich bleibt der Diabetologe die entscheidende Ansprechperson, wenn es um die Diabetes-Behandlung geht.
Z! Sie haben als Spin-off der CIBA Vision im März 2006 gestartet: wie konnten Sie die kapitalintensive Entwicklung finanzieren?
Die Idee entstand noch während meiner Zeit bei CIBA Vision. Der Novartis-Konzern wollte sein Produktportfolio erweitern und beauftragte mich, entsprechende Ideenzu entwickeln. Als sich 2004 die Novartis dazu entschied, sich wieder stärker auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren, fi el bald die Entscheidung, das Projekt der „blutfreien Blutzuckermessung“ als Spin-off mit dem hausinternen Novartis Venture Fund zu unterstützen. Weitere Finanziers kamen hinzu. Insbesondere die Bayern Kapital GmbH hat uns auch wesentlich unterstützt.
Z! Wie sehen Sie die Zukunftsprognosen in diesem Markt?
Weltweit gibt es ca. 220 Millionen Diabetiker. Das Blutzuckermessen mit derzeit 8 Millarden US Dollar ist der größte Selbstdiagnostikmarkt. Durch die Lifestylefaktoren wie schlechte Ernährung und wenig Bewegung sowie genetische Faktoren wird die Zahl der an Diabetes erkrankten Personen vermutlich weiter steigen.
Herzlichen Dank für das nette Gespräch, Herr Dr. Herbrechtsmeier!
Ansprechpartner
Dr. Peter Herbrechtsmeier
Telefon: 06026 942120
E-Mail: peter.herbrechtsmeier@eyesense.com
Zur Person
Dr. Peter Herbrechtsmeier ist Geschäftsführer der Eyesense GmbH in Großostheim. Er ist promovierter Physiko-Chemiker.
Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Bereich medizinisch-technischer Produkte. Er entwickelte beispielsweise das globale Ein-Tageskontaktlinsengeschäft für CIBA Vision, das das größte und am schnellsten wachsende Segment wurde. Er war als Vice President bei CIBA Vision Atlanta Leiter der globalen Forschung und Entwicklung.





