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INTERVIEW
Spiel, Spaß und ... Managertraining?

Dr. Bernd Fakesch im Gespräch mit den Z! Redakteurinnen
Managertraining von Nintendo? Hätte dies vor zwei Jahren jemand laut gesagt, hätte man ihn für verrückt gehalten. Doch jetzt bieten die neuen Videospiele von Nintendo Ansatzpunkte für Managertrainings und Spiel und Spaß für alle Generationen, auch die begehrte Generation 50+.
Mit diesem Konzept hat das japanische Unternehmen auch mit der zweiten Generation des Spiels “Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging: Wie fit ist Ihr Gehirn?” voll ins Schwarze getroffen. Gleich in der ersten Verkaufswoche haben 40.000 Spiele von “Dr. Kawashima: Mehr Gehirn-Jogging” in Deutschland die Ladentheke passiert. Die Europa- und Deutschlandzentrale des Konzerns mit Sitz in Großostheim ist begeistert.
Z! Herr Dr. Fakesch, welchen Nutzen zieht man aus Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging außer ein wenig Spaß?
Dr. Kawashima ist ein anerkannter japanischer Neurowissenschaftler, der sich mit Hilfe bildgebender Verfahren mit der Aktivierung einzelner Gehirnareale durch gezieltes Training beschäftigt. Seine Erkenntnisse und daraus entwickelten Übungen hat Nintendo in ein Videospiel umgesetzt. Regelmäßiges Üben trainiert natürlich die geistige Fitness. Dass unsere Software tatsächlich einen wissenschaftlichen Hintergrund hat, zeigt uns eine interessante Studie, die momentan an der Universität Erlangen von Dr. Siegfried Lehrl durchgeführt wird. Er beobachtet zwei Vergleichsgruppen kranker Patienten in ihrer Rehabilitationsphase. Eine von ihnen übt mit Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging: Wie fit ist Ihr Gehirn?, die andere nicht. Wir sind gespannt, welche Ergebnisse sich hierbei auftun werden.
Z! Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging gilt auch als Renner bei deutschen Managern. Wie kommt das?
In der Tat hat dieses Produkt all unsere Erwartungen übertroffen. Dieses sehr neuartige Produkt spricht verstärkt Erwachsene an, vor allem jene, die ihren Geist gerne fit halten möchten. Dies trifft natürlich insbesondere auf Manager zu. Wir erhielten zahlreiche Anfragen von Unternehmensseite in Deutschland, ob Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging nicht als Instrument bei Managementtrainings einsetzbar ist. Aber auch bei politischen Führungskräften wird das Gehirn-Jogging inzwischen wohlwollend angenommen.
Z! Abgesehen von dem positiv besetzten Gehirn-Jjogging werden Videospiele häufig als Gefahr dargestellt? Wie gehen Sie mit der Kritik um, dass Sie Nährboden für Aggressionen, Bewegungsmangel und Spielsucht bieten?
Im Übermaß und mit den falschen Inhalten konsumiert ist jedes Medium schädlich, für Kinder wie für Erwachsene. Hier setzt unsere Firmenphilosophie an: Kinder müssen Medienkompetenz erwerben, den verantwortungsvollen Umgang mit Computer und Videospiel lernen. Und Eltern, Erzieher und Lehrer sind oft überfragt, wenn es darum geht, diese wichtige Lektion kindgerecht zu vermitteln. Daher haben wir von Nintendo uns dazu entschlossen, das Institut zur Förderung von Medienkompetenz Spielraum an der FH Köln zu unterstützen. Durch den Aufbau eines Netzwerkes von Referenten und Multiplikatoren ist das Institut bundesweit tätig. So können beispielsweise Schulen ausgebildete Referenten für Medienkompetenz buchen. Das befreit Eltern aber nicht von Ihrer Verantwortung, die Altersfreigabe (USK) von Spielen zu prüfen und mit dem Kind die maximale Spieldauer festzulegen.
Z! Mit den Spielkonsolen Wii und Nintendo DS haben Sie in den letzten Monaten für Furore gesorgt. Was macht Sie so erfolgreich?
Unser Erfolg basiert auf mehreren Faktoren. Bezüglich der TV-gebundenen Konsole Wii ist die realitätsnahe Bedienung das Erfolgsgeheimnis. So spielt man Tennis oder Golf eben nicht durch “einfaches Drücken” auf Knöpfe, sondern schwingt den Controller wie einen echten Schläger durch die Luft. Das lässt auch Stubenhocker aktiv werden. Beim Nintendo DS spielt ebenfalls die einfache, intuitive Bedienbarkeit eine große Rolle. Dadurch konnten wir auch Personengruppen für unsere Angebote begeistern, die tendenziell Videospielen eher skeptisch gegenüberstehen.
Z! Meinen Sie damit die Generation 50+?
Ja, aber nicht nur. Nintendogs zum Beispiel, eine virtuelle Hundesimulation, war der Durchbruch für die Konsole Nintendo DS. Nutzer sind hierbei vornehmlich Mädchen, die auf die Spiele für den klassischen Game Boy bisher eher zurückhaltend reagierten. Mit Gehirn-Jogging, das letztes Jahr auf den Markt kam, konnten wir dann auch älteren Menschen geeignete Videospiele anbieten. Damit haben wir eine echte Marktlücke entdeckt und besetzt.
Z! Und welche bahnbrechenden Neuerungen erwarten uns noch aus Ihrem Hause?
Im Frühjahr 2008 wird das Spiel Wii Fit für unsere TV-gebundene Konsole Wii erscheinen. Damit setzen wir weiterhin auf den Schwerpunkt körperliche Fitness. Die Spieler steuern das Spiel nur durch Gewichtsverlagerung auf dem sogenannten Balance Board, einer Art Waage, auf das sie sich mit beiden Füßen stellen. Das Board enthält Sensoren, die auf Druck reagieren. Aber Sie müssen gar nicht so lange auf spannende Neuheiten warten: Noch vor Weihnachten erscheint mit Practice English! Meistern Sie typische Alltagssituationen der Nachfolger unseres erfolgreichen Sprachtrainers auf dem Nintendo DS. Und dank Augen-Training: Trainieren und entspannen Sie Ihre Augen! Werden viele unserer Fans uns sicherlich aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachten.
Z! Abschließend noch eine Frage: Wie beurteilen Sie den Standort Bayerischer Untermain?
Der Standort Großostheim für die Europazentrale wurde von der japanischen Geschäftsleitung ausgesucht. Ausschlaggebend waren die Nähe zum Flughafen Frankfurt und die zentrale Lage in Deutschland und Europa. Von hier aus bedienen wir ganz Europa über unser Logistikzentrum. Wir sind froh, hier in der Region kompetente Dienstleister als Partner gewonnen zu haben und fühlen uns absolut zuhause.
Z! Herzlichen Dank für das nette Gespräch, Herr Dr. Fakesch!
Zur Person
Dr. Bernd Fakesch ist Geschäftsführer der Nintendo Deutschland GmbH. 60 Mitarbeiter.
Dr. Bernd Fakesch leitet seit März 2004 als General Manager bei Nintendo Deutschland alle Marketing- und Vertriebsaktivitäten für die gesamte Nintendo-Produktpalette in Deutschland. In der Entertainment-Branche ist Fakesch kein Unbekannter: Seit 1995 war der promovierte Betriebswirt in verschiedenen leitenden Funktionen für das Musikunternehmen BMG tätig.





