Inhalt:
INTERVIEW
“Automatisierung erfordert komplexes Denken”
Leander Hock im Gespräch mit den Z! Redakeuren

Automatisierung soll die Produktion wirtschaftlicher und transparenter machen, um die hohen Anforderungen an Produktivität und Qualität zu gewährleisten. Bei komplexen Produktionsanlagen gilt es, nicht nur die einzelnen Produktionsprozesse optimal zu steuern, sondern das Gesamtsystem zu vernetzen und aufeinander abzustimmen. Die Firma APE in Niedernberg arbeitet seit nunmehr zehn Jahren erfolgreich an Lösungen für den Maschinen- und Anlagenbau sowie für das produzierende Gewerbe.
Z! Herr Hock, die Anfragen Ihrer Kunden hinsichtlich der Automatisierung werden immer komplexer. Wohin führt uns die Reise?
Geographisch gesprochen: in die ganze Welt. Ob in Deutschland, Russland oder China, Südafrika oder Mittelamerika, unabhängig davon, ob wir direkt exportieren oder indirekt über Maschinen und Anlagenbauer, müssen unsere Automatisierungslösungen in allen Ländern fehlerfrei funktionieren. Technisch gesehen wachsen die Herausforderungen, auf der einen Seite durch das Zusammenwachsen von Fertigungs- und Prozessautomatisierung und die Entwicklung einer dezentralen und vernetzten Automatisierungstechnik, auf der anderen Seite durch eine zunehmende Verzahnung von Produktions- und Geschäftsprozessen.
Z! Welche weiteren Herausforderungen stellen Ihnen Ihre Kunden?
Nun ja, das muss man differenziert sehen. Da gibt es zum einen die Maschinenbauer, die ihre Maschinen mit möglichst wenig Aufwand für die kundenspezifische Anpassung verkaufen möchten. Aus diesem Grund müssen wir unsere Software so erstellen, dass sie konfigurierbar ist und die Anpassung auf den einzelnen Endkunden einfach und kostengünstig durchzuführen ist. Außerdem müssen Komponenten ausgewählt werden, die genau die maschinenspezifischen Anforderungen an Leistung und Preis erfüllen. Bedienoberflächen und Bedienungsanleitungen müssen meistens mehrsprachig sein. Hierbei spielen die Qualität, die Durchgängigkeit und die Kosten für Übersetzung und Integration eine große Rolle. Das heißt, für die Maschinenbauer kann APE als Berater oder als ausführendes Untenehmen in der Entwicklung, Fertigung, Dokumentationserstellung und Übersetzung tätig sein. Zum anderen bedienen wir produzierende Unternehmen, bei denen sich das Bild etwas anders darstellt: sie benötigen neben einer funktionierenden Gesamtlösung für eine Kette von Produktionsschritten insbesondere eine Rückverfolgbarkeit sowie Aussagen über die Produktivität und Qualität und die Schnittstelle zu den Geschäftsprozessen.
Z! Und wie realisieren Sie diese Anforderung?
Für diese Anforderung haben wir ein eigenes Manufacturing Execution System (MES) – zu deutsch: Fertigungsmanagementsystem – entwickelt, dass es ermöglicht, die Verzahnung zwischen der Prozessautomatisierung und den Geschäftsprozessen herzustellen. Das MES stellt zum Beispiel sicher, dass die Produkte über mehrere Prozessstufen identifizierbar sind, dies kann über Barcode oder RFIDs erfolgen. Alle relevanten Betriebsdaten werden lückenlos erfasst und auftragsbezogen oder maschinen- bzw. anlagenbezogen ausgewertet. Mit unserem System kann die Produktivität einer Produktionsanlage optimiert werden, indem produktionsspezifische Auswertungen unternehmensweit verfügbar sind. Dies sind nur Beispiele für ein vollumfängliches MES. Die Anforderungen an diese Systeme sind sehr individuell von der jeweiligen Produktion abhängig. Aus diesem Grund stellt APE ein System zur Verfügung, das sehr fl exibel an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden kann. Unser System ist mit Schnittstellen zu übergeordneten ERP-Systemen ausgestattet, um die vertikale Durchgängigkeit vom Geschäftsprozess bis zur Produktionsmaschine zu gewährleisten.
Z! Sie planen und vernetzen für das produzierende Gewerbe auch große Produktionsstraßen mit Maschinen unterschiedlichster Hersteller. Das scheint uns eine sehr komplexe Aufgabe zu sein. Wie gehen Sie vor, um die doch sehr unterschiedlichen Systeme aufeinander abzustimmen?
Zunächst können wir für diese Kunden beratend tätig sein, indem wir Automatisierungskonzepte, Vernetzung, Standardisierung, etc. für die Gesamtanlage untersuchen und entsprechende Vorschläge unterbreiten. Im zweiten Schritt wird in der Regel ein umfangreiches Pfl ichtenheft erstellt, in dem nicht nur unsere Pflichten und Leistungen beschrieben sind, sondern auch die der einzelnen Maschinenlieferanten. Um eine
durchgängige Prozessleittechnik zu schaffen, sprechen wir mit den Zulieferern und programmieren, wenn gewünscht, eine Steuerung für deren Maschine, die zum Gesamtkonzept passt. Für die Produzenten erstellen wir ein übergeordnetes Bedienkonzept und liefern und programmieren die Prozessleittechnik. Damit übernehmen wir Gesamt- oder Teilverantwortung, reduzieren die Schnittstellen und dadurch letztendlich die erforderlichen Inbetriebnahme- und Stillstandzeiten, die beim heutigen Kosten und Termindruck der Unternehmen einen wichtigen Faktor darstellen.
Z! Und wenn dann doch die Maschinen stehen?
Zur schnellen und effi zienten Fehlersuche setzen wir Fernwartung, auch Remote-Service genannt, und bei einigen Kunden auch Web-Cams ein. Damit können Informationen von der Störquelle zu Mitarbeitern des Unternehmens und zu APE übermittelt werden. Gemeinsam analysieren wir dann den Fehler, der meist schnell behoben werden kann. Sollte es erforderlich sein, werden selbstverständlich die Kunden von unseren Mitarbeitern besucht, um vor Ort die Probleme zu lösen.
Z! Wie sieht Ihre weitere unternehmerische Entwicklung aus?
Unser Unternehmen besteht nun seit knapp zehn Jahren. Wir haben uns gesund entwickelt und beschäftigen inzwischen etwa 30 Mitarbeiter. Die gute Akzeptanz im Markt lässt uns hoffen, dass wir unser Geschäft noch ausbauen können. Ideen haben wir genug, zur Umsetzung brauchen wir qualifiziertes Personal und Kunden, die in uns ihr Vertrauen setzen. So ist für uns die Fusion mit dem Bereich EMSR- und Automatisierungstechnik der Mainsite GmbH & Co. KG. der folgerichtige Schritt, dem Wachstumsmarkt neue Impulse zu geben.
Z! Herzlichen Dank für das nette und interessante Gespräch, Herr Hock!
Leander Hock ist geschäftsführender Gesellschafter der APE Engineering GmbH in Niedernberg. Als gelernter Elektrotechniker sammelte er bei einer in Großostheim ansässigen Firma viele Jahre Erfahrung in der Automatisierung. Seit der Gründung 1997 entwickelten sich seine Geschäfte positiv und er beschäftigt 30 Mitarbeiter. Nach der Erweiterung wird das Team auf über 40 Mitarbeiter anwachsen.
Ansprechpartner
Leander Hock
Telefon: 06028 9915-24
E-Mail: leander.hock@ape-engineering.de





