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Interview

Technologischer Vorsprung und ein bekannter Name machen uns zum Weltmarktführer

Dr. Martin Turwitt im Gespräch mit den Z! Redakteurinnen

Dr. Martin Turwitt

Dr. Martin Turwitt

Heraeus Sensor Technology ist Spezialist in der Entwicklung und Produktion mikrostrukturierter Messchips für Sensoren der Temperaturmesstechnik. Mittels Dünnschichttechnologie werden Bauteile für kundenspezifische Anforderungen designed. Hierfür wird in feinsten Bahnen mäanderförmig Platin auf einen keramischen Träger aufgebracht und anschließend mit einem schützenden Glasüberzug versehen. Messparameter ist die elektrische Widerstandsänderung des
Edelmetalls bei Wärme- oder Kälteeinfluss. Je nach Anwendung werden Messchips für einen Temperaturbereich von - 196°C bis + 1000°C entwickelt.

Z! Herr Dr. Turwitt, in welchen Geräten treffen wir im Alltag Ihre Bauteile an?

Unsere Messchips befinden sich unter anderem in Sensoren, die in Rußpartikelfiltern von Diesel-PKW verbaut werden. Hier gilt es, ein optimales Freibrennen des Partikelfilters sicher zu stellen. In anderen Bauteilen des Fahrzeugs spielt vor allem der Überhitzungsschutz eine Rolle. Auch in der modernen Küche trifft man auf unsere Messchips, die wichtig für die Temperaturgenauigkeit eines pyrolytischen Backofens sind. Wird die Temperatur von 450°C unterschritten, findet der Reinigungsprozess nicht wie gewünscht statt. Eine weitere typische Anwendung sind elektronische Wasseruhren in Mehrfamilienhäusern und Bürogebäuden, wo es um eine genaue Verteilung der Warmwasserkosten geht. Auch für die Optimierung der Verbrennung in Gas- und Ölbrennern im Heizungskeller werden vielfach Messdaten über solche Sensoren generiert.

Z! Für welchen industriellen Einsatzzweck produzieren Sie?

Die Messgröße Temperatur spielt in der Prozesstechnik eine große Rolle für die Stabilität der Produktion. Wartungskosten und Stillstandzeiten sollen allerorts minimiert werden. Unsere Messchips stecken in vielen Prozessthermometern, denn sie sind beständig auch gegen Vibrationen und Erschütterungen und auch bei sehr hohen Temperaturen einsetzbar.

Z! Welche neuen Einsatzgebiete sehen Sie für Ihre Produkte?

Die Euro-6-Norm, die ab 2014 in Kraft tritt und die die Abgasgrenzwerte für Kraftfahrzeuge nochmals deutlich reduzieren wird, bringt mehr Sensorik im Allgemeinen ins Auto. Wir sind daher derzeit mit führenden OEMs im Gespräch. Die Idee ist, auch andere Messgrößen wie zum Beispiel die Rußkonzentration mit einem Platinsensor zu messen. Die Messwerte könnten dann zur Optimierung des Wirkungsgrades des Motors herangezogen werden. Außerdem sind wir dabei, für Heizungen einen Chip zu entwickeln, der die Sauerstoffkonzentration im Kessel zuverlässig misst. Somit könnte man die Verbrennung näher am Grenzwert fahren und den Wirkungsgrad um einige Prozent erhöhen.

Z! Sie produzieren ausschließlich in Deutschland. Wo genau sind Ihre Absatzmärkte?

Wir liefern in die ganze Welt. Schwerpunkte sind Europa und mit zunehmender Dynamik auch China. Dort stehen die Themen Energiekontrolle und –effizienz ganz oben auf der Agenda. So ordern die Chinesen Millionen von Chips für die Heizungsbranche.

Z! Heraeus ist weltweit ein bekannter Name für technologische Produkte. Welche Vorteile erwachsen Ihnen aus der Zugehörigkeit zur Firmengruppe?

Wir erhalten schneller eine Eintrittskarte bei möglichen Kunden, da Heraeus nicht nur bekannt ist, sondern auch einen vorzüglichen Ruf genießt. Im Ausland können wir auf Sales Offices und Repräsentanten zurückgreifen, zudem profitieren wir auch von übergeordneten Konzernfunktionen wie z.B. der Personalentwicklung oder der Rechtsabteilung. Gleichzeitig sind wir aber durch die divisionale Aufstellung so flexibel und schnell wie ein Mittelständler.

Z! Wie decken Sie Ihren Fachkräftebedarf?

Ingenieure rekrutieren wir vielfach aus unseren Angeboten für Studierende. Wir arbeiten mit einigen Universitäten und Hochschulen zusammen, die den Schwerpunkt Sensorik anbieten. Unter anderen arbeiten wir auch mit der Hochschule Aschaffenburg zusammen.

Z! Wie bewerten Sie den Standort Bayerischer Untermain?

Kunden und Lieferanten haben wir hier in der Nähe zwar kaum welche, aber durch die Nähe zum Flughafen und eine perfekte Autobahnanbindung ist der Standort durchaus gut gewählt. Wichtig ist für uns auch die Nähe zum Hauptwerk in Hanau. Positiv sehen wir unter dem Aspekt der Akquise von qualifizierten Fachkräften, dass der Bayerische Untermain auch landschaftlich und kulturell Einiges zu bieten hat.

Z! Eine letzte Frage: Welchen Rat würden Sie heutigen Unternehmensgründer/innen mit auf den Weg geben?

Eine gute Geschäftsidee sollte sich klar und deutlich von Bestehendem unterscheiden. Und nicht nur das, es muss auch einen Markt, einen Bedarf dafür geben. Wenn man den Bedarf erst wecken muss, kann es schwierig werden, denn dann sind enorme finanzielle Aufwendungen für den Markteintritt notwendig. Über die Produktion und Logistik und die damit verbundenen finanziellen Belastungen sollte man sich frühzeitig Gedanken machen.

Z! Herzlichen Dank für das angenehme und aufschlussreiche Gespräch, Herr Dr. Turwitt.

Ansprechpartner

Guido Matthes
W. C. Heraeus GmbH
Telefon: 06181 35-4583
E-Mail: guido.matthes@heraeus.com

Zur Person

Dr. Martin Turwitt wurde 1954 in Hamm (Westfalen) geboren, studierte Maschinenbau an der Universität in Bochum mit anschließender Promotion im Bereich der Materialkunde am Max-Planck-Institut in Stuttgart. Anschließend übernahm er verschiedene Führungspositionen in großen, produzierenden Industrieunternehmen.
Dr. Turwitt übernahm 1999 die Verantwortung als Geschäftsführer der Heraeus Sensor Technology GmbH.

Zum Unternehmen

Die Temperaturmesstechnik hat bei Heraeus eine lange Tradition. Bereits 1906 erfand Richard Küch als Mitarbeiter des Unternehmens das Platin-Widerstandsthermometer. 1974 setze die Forschungs- und Entwicklungsabteilung wieder neue Maßstäbe durch die Erfindung des ersten Platin-Widerstandsthermometers in Dünnschichttechnologie. Heute arbeiten bei Heraeus Sensor Technology 200 Mitarbeiter.

 

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