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Interview
„Langjähriges Know-how und konsequente Internationalisierung sind unser Erfolgsgeheimnis“
Ralf Duesmann und Michael Zendel im Gespräch mit den Z! Redakteurinnen

Michael Zendel, links und Ralf Duesmann, rechts
Duesmann & Hensel Recycling – Spezialist in der Rückgewinnung von Edelmetallen aus Autokatalysatoren auf Keramik- und Metallbasis – strukturierte mit Wirkung zum 01.01.2010 ihre Inlands und Auslandsaktivitäten neu. Die drei Gesellschafter, Alexandra und Ralf Duesmann sowie Clemens Hensel, haben sich
aus der operativen Geschäftsführung der Duesmann & Hensel Recycling GmbH zurückgezogen und widmen sich über die Duesmann & Hensel International nun verstärkt dem Aus- und Aufbau der diversen weltweiten Standorte. Z! Das Zukunftsmagazin sprach mit Gesellschafter Ralf Duesmann und dem neuen vertriebsorientierten Geschäftsführer Michael Zendel.
Z! Herr Duesmann, Sie, Ihre Ehefrau Alexandra und Mitgesellschafter Clemens Hensel haben sich aus der operativen Geschäftsführung von Duesmann & Hensel Recycling zu Jahresbeginn zurückgezogen. Warum?
Unsere Auslandsstandorte benötigen unsere Erfahrung und unsere Kontakte. Dort gilt es, die wachsenden Märkte zu erschließen und zu durchdringen, technisches Knowhow verfügbar zu machen und ein gutes Vertriebs- und Edelmetallhandelsteam aufzubauen. In unserer Zentrale in Deutschland sind wir gut aufgestellt. So haben wir aus unserem bewährten Team nun eine dreiköpfige Geschäftsleitung gewählt, die unser vollstes Vertrauen genießt. Wir drei Gesellschafter agieren über die Duesmann & Hensel International.
Z! Wie muss man sich Ihre Auslandsaktivitäten vorstellen?
In der Vergangenheit haben wir zunächst ein Vertriebsnetz in den wichtigsten Märkten aufgebaut. Wir haben eigene Sammelbetriebe gegründet, also etwa 3-5 köpfige Teams, die bei Altautoverwertern und KfZBetrieben regelmäßig telefonisch nach Altkatalysatoren nachfragen und diese mit Kleintransportern abholen. Das ist für die Anfallstellen ein interessantes Geschäft, denn die Altkatalysatoren bringen reichlich Geld in die Kasse. Je nach Marke, Zustand und aktuellem Edelmetallkurs zwischen 18 und 125 Euro pro Stück.
Z! Das sind also reine Sammelstellen im Ausland?
In den Anfängen schon. Aber inzwischen haben wir an vielen Orten eine Entmantelungsanlage aufgestellt. Diese trennt die Stahlhülle vom keramischen Kern der Katalysatoren. Dieser Kern, Monolith genannt, enthält die katalytisch wirkenden Edelmetalle Platin, Palladium und Rhodium. Diese gilt es, für industrielle Anwendungen wiederzugewinnen. Für die Homogenisierung und Bemusterung der Katalysatoren, also den Schritt vor der eigentlichen Wertbestimmung, haben wirunter anderem in Shanghai, Melbourne und New Jersey auch Kugelmühlen bereitgestellt, die die Monolithen zu feinem Pulver zermahlen.
Z! Wo genau sehen Sie Ihre Märkte?
Asien ist für uns ein hochinteressanter Raum, da das Autofahren dort noch deutliche Zuwachszahlen verzeichnet. Mit unseren Niederlassungen in Shanghai und Malaysia sind wir dort bestens vertreten. Auch Australien ist ein sehr interessanter Markt für uns, da es auf diesem Kontinent nur eine, und zwar unsere Autokat-Bemusterungsanlage mit angeschlossenem Probenpräparationslabor gibt.

Angelieferte Altkatalysatoren vor der Verarbeitung auf dem Betriebsgelände in Aschaffenburg
Z! Was sind Ihre aktuellen Auslandsprojekte?
Da kommen wir zu dem nächsten für uns interessanten Kontinent: Amerika. Dort haben wir gemeinsam mit unserem amerikanischen Partner im letzten Jahr einen vollständigen Produktionsbetrieb aufgebaut. Jetzt gilt es, diese Anlagen auszulasten. Unter anderem haben wir dort auch – genau wie in Deutschland – eine patentierte Metallkat-Recyclinganlage aufgestellt. Ein weiteres Zielgebiet ist für uns der Nahe und Mittlere Osten, den wir über unseren Repräsentanten in der Türkei ab diesem Jahr verstärkt erschließen möchten.
Z! Herr Zendel, hier in Deutschland wurde das Know-how erarbeitet, das nun im Ausland auch zum Einsatz kommt. Wie positionieren Sie sich gegenüber den internationalen Niederlassungen?
Die Niederlassungen stehen zu uns in keiner Weise in Konkurrenz. Früher haben die internationalen Sammelbetriebe die Katalysatoren in Containern nach Deutschland verschifft. Die langen Füll- und Transportzeiten entzogen den Kunden aber Liquidität. Und wir hatten gar nicht mehr die Kapazitäten, hier alles zu lagern und zu verarbeiten. Daher fing man an, ausgewählte Sammelbetriebe zu Produktionsbetrieben auszubauen. Das hat vielerlei Vorteile: einheimische Teams kennen die Mentalität vor Ort, die Transportkosten sinken und die Kunden können früher über ihr Kapital verfügen.
Z! Wo genau liegt Ihr technisches Knowhow?
Als Full-Service-Anbieter sind es mehrere ineinandergreifende Aspekte, die uns zu einem verlässlichen Partner für unsere Kunden machen. Technisch führend sind wir insbesondere beim Recycling von Metallkatalysatoren. Da die Edelmetalle bei diesen Modellen auf Metallfolien aufdispergiert sind, ist eine Homogenisierung in der Kugelmühle nicht möglich. Wir haben Wege gefunden, den edelmetallhaltigen Washcoat von den Metallfolien mechanisch zu lösen und können somit auch solche Katalysatoren wirtschaftlich recyceln.
Z! Und bei keramischen Altkats?
Autokats zerlegen können Viele, aber eine saubere Wertbestimmung vorzunehmen ist bei Weitem nicht so trivial. Jeder homogenen Charge wird in unserem Probenpräparationslabor eine Probe entnommen, die auf Werthaltigkeit bei unabhängigen Instituten untersucht wird. Dies ist die Basis für die Abrechnung mit den Kunden. Der große Rest des Pulvers geht zu Edelmetall-Scheideanstalten, die daraus hochreines, handelbares Edelmetall gewinnen.
Z! Neben dem technischen Know-how, was zeichnet sie noch aus?
Viele Kunden wollen ihre Katalysatoren nicht einfach an uns verkaufen, sondern auf Basis der tatsächlich enthaltenen Edelmetalle entlohnt werden. Für industrielle Kunden agieren wir ähnlich wie eine Bank: Wertsicherung für Termingeschäfte oder die Vorfinanzierung von Edelmetallen, die der Kunde bereits wieder verarbeiten möchte, sind nur einige Beispiele.
Z! Sie haben im letzten Jahr am Projekt Öko-Profit der Initiative Bayerischer Untermain teilgenommen. Mit welchem Ziel?
Zwar sind wir als Entsorgungsfachbetrieb zugelassen, nach DIN EN 14001 zertifiziert und alle Prozesse und Anlagen sind mit den einschlägigen Rechtsvorschriften zu Immissions- und Umweltschutz konform, aber in Bezug auf Ressourcenschonung ist es gut, auf dem neuesten Stand zu sein. Regionale Impulse und der Austausch mit anderen Betrieben haben uns gereizt, an ÖkoProfit teilzunehmen.
Z! Sie sind in aller Welt mit Niederlassungen vertreten, was reizt Sie am Standort Bayerischer Untermain?
Privat kann man hier alles haben: Ruhe und Action, Natur und Kultur. Alles in Reichweite. Und unternehmerisch: Bayerische Standortvorteile und eine gute Verkehrsinfrastruktur. Was will man mehr?
Herzlichen Dank für das nette und interessante Gespräch, Herr Duesmann und Herr Zendel.
Zu den Personen
Ralf Duesmann ist einer von drei Gesellschaftern der Duesmann & Hensel Recycling GmbH und engagiert sich via Duesmann & Hensel International derzeit vrstärkt um den Auf- und Ausbau der Auslandsstandorte.
Michael Zendel ist seit 1.1.2010 vertriebsorientierter Geschäftsführer bei Duesmann & Hensel Recycling GmbH. Seit 2008 war er für das das Thema Unternehmensentwicklung zuständig.
Zum Unternehmen
Die Duesmann & Hensel Recycling wurde im Jahr 1999 von Alexandra Duesmann als Sammelbetrieb für Altkatalysatoren gegründet. In den Folgejahren erhielt sie Verstärkung durch Ralf Duesmann und Clemens Hensel und es wurden eigene Verarbeitungskapazitäten aufgebaut. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen am Standort Aschaffenburg gut 70 Mitarbeiter. Etwa 3,5 Millionen Altkats werden dort jährlich verarbeitet. In den internationalen Standorten arbeiten ebenfalls in Summe etwa 70 Mitarbeiter.




