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INTERVIEW

„Wie sicher sind Unternehmensdaten in Zeiten von Firewall und Antivirenschutz wirklich?“

Frank Schlottke von Applied Security GmbH im Gespräch mit den Z! Redakteurinnen

Frank Schlottke

Frank Schlottke

Z! Einer der beiden Hauptschwerpunkte Ihrer Tätigkeit ist das Thema Sicherheit von firmeneigenen Daten. Wie schützt sich ein Unternehmen vor Datenklau intern und extern?

In den letzten Jahren ist es wirklich jedem klar geworden, dass man eine vernünftige Lösung, wie z.B. Firewall und Antivirenprogramme haben muss, um Datenklau von außen zu vermeiden und das betriebseigene System vor Trojanern und anderen Viren zu schützen. Zunehmend wurden daher Angriffe von innen durch Mitarbeiter oder Praktikanten bekannt: Rechner-Diebstahl und das Kopieren von kundenbezogenen oder wettbewerbsrelevanten Daten sind die häufigsten Probleme für gutgläubige Arbeitgeber. Nach einer Studie der Universität Lüneburg bedeutet dies alleine für die deutsche Wirtschaft einen Schaden von jährlich circa 50 Milliarden Euro. Gerade High-Tech-Unternehmen sollten also ihr Wissen und ihre Daten schützen. Im Bundesdatenschutzgesetz sind seit 1. September
dieses Jahres auch rechtliche Folgen wie die Veröffentlichungspflicht bei einem Angriff auf personenbezogene Daten formuliert, so dass es im Interesse aller Unternehmen ist, die Daten zu schützen.

Z! Wie funktioniert das konkret?

Unsere Lösungen laufen im Hintergrund, wie Sie es von Antivirenprogrammen kennen und werden nur aktiv, wenn sensible Daten angegriffen werden: Daten werden so verschlüsselt, dass nur berechtigte Personen sie einsehen, kopieren oder weiterleiten können. Das muss nicht immer der Administrator sein! Sogenannte Premiumdaten können nur innerhalb des Unternehmens bearbeitet und nur verschlüsselt nach außen gegeben werden. Hierfür bieten wir verschiedene Produkte an, je nach Bedarf und Größe des Unternehmens. Wichtig ist uns immer, dass unsere Produkte mehr im Hintergrund laufen und der normale User möglichst wenig davon mitkriegt und somit sicher und bequem seine Daten bearbeiten kann.

Z! Bieten Sie auch Einstiegsprodukte für kleine und mittelständische Unternehmen?

Das Programm fideAS® file enterprise ist schon für Unternehmen ab 5 Mitarbeiter interessant. Wir können je nach Größe des Unternehmens individuelle Lösungen anbieten. Da das Produkt in unserem Hause entwickelt wurde, können wir auf den Bedarf des Unternehmens eingehen.

Z! Neben Sicherheitssoftwarelösungen haben Sie ein weiteres großes Tätigkeitsfeld?

Das Projektgeschäft ist der zweite Hauptschwerpunkt unserer Tätigkeit. So werden wir unter anderem auch vom Bund und Land für Problemlösungen angesprochen. Ein laufendes Projekt befasst sich z.B. mit Entgeltersatzleistungen. Problemstellung ist hier, dass ein Arbeitnehmer bei Kündigung oder Entlassung von seinem Arbeitgeber einen Entgeltnachweis bei der Agentur für Arbeit vorlegen muss. Dort wird dann die Höhe seiner Entgeltersatzleistung festgelegt und ihm zugesandt. Geplant ist hier die Vereinfachung und Entbürokratisierung für die Behörden und eine Zeitersparnis für Arbeitgeber. Das „ELENA“ Verfahrensgesetz des BMWi soll es ermöglichen, dass der Arbeitgeber die Entgeltdaten an eine zentrale Stelle meldet, die Behörde mit Zustimmung des Arbeitnehmers elektronisch darauf zugreift und der Arbeitnehmerim besten Fall sofort seinen Bescheid mit den Entgeltersatzleitungen erhält. Um sich mal die Größe eines solchen Projektes vorzustellen: die Arbeitsgruppen im Projekt waren mit insgesamt 200 Personen besetzt. Applied Security hat einige dieser Arbeitsgruppen geleitet und war federführend bei der Softwareentwicklung für die Pilotanwender. Derzeit sind wir als Berater mit im Boot.

Z! Herr Schlottke, Sie arbeiten gerade an einem Forschungsprojekt zum Thema Antiphishing, welchen Schutz bietet dieses System für Unternehmen?

Sie kennen bestimmt das Problem, einmal eine E-Mail erhalten zu haben von „Ihrer angeblichen Hausbank“ mit der Aufforderung, Ihre PIN-Nummer einzugeben. Leider fallen immer noch viele Personen auf diese Betrüger herein und wundern sich über ungerechtfertigte Abbuchungen auf dem Konto. Unsere Idee ist, mit Partnern eine Anti-Phishing-Tastatur zu entwickeln, die sicheren Schutz vor solchen Betrügern bietet. Die Firma Applied Security ist bei diesem Projekt Softwarelieferant. Das Projekt entwickelt sich erfreulich und wir bereiten die Markteinführung für Mitte 2010 vor.

Z! Engagieren Sie sich im Kompetenznetz IT?

Ja, dort bin ich in der Steuerungsgruppe tätig. Es ist wichtig, gemeinsame Interessen zu vertiefen und Kooperationen und Partnerschaften in der Region aufzubauen. Es gibt hier viele interessante Firmen, die sich mit dem Thema IT befassen. Auch können wir als Gruppe bei der Hochschule Aschaffenburg besser Impulse setzen, bspw. hinsichtlich der Einführung eines Informatik-Studiengangs.

Z! Wie beurteilen Sie den Standort Bayerischer Untermain?

Sehr positiv! Wir sind im Herzen Deutschlands, das heißt, wir haben sehr gute Verkehrsanbindungen und können deutschlandweit schnell unsere Kunden erreichen. Das Bahnnetz Aschaffenburg ist ebenfalls gut angebunden. Den Standort können wir wirklich als sehr gut bezeichnen. Unsere Mitarbeiter bevorzugen uns als Arbeitgeber hier, da sie z.B. bei einer Tätigkeit in Frankfurt durch die Fahrzeit viel Freizeit verlieren würden. Die Gegend hier ist schön, die Leute wohnen gerne hier. Allerdings: mit den traumhaften Bedingungen für IT-Start-ups in Silicon Valley können wir hier nicht konkurrieren.

Z! Wie decken Sie Ihren Fachkräftebedarf?

Für unsere Produkte und Projekte sind wir natürlich immer an Mathematikern interessiert. Wir arbeiten mit der Hochschule Aschaffenburg zusammen. Aber wir haben auch Fachkräfte aus ganz Deutschland. Wir bieten des Weiteren Ausbildungsplätze für IT-Systemkaufleute, Fachinformatiker Richtung Anwendungsentwicklung und Systemintegration an.

Z! Wie hat sich Ihr Kunden- und Vertriebsnetz entwickelt?

Unsere wichtigsten Kunden sind in USA, im europäischen Ausland und natürlich in Deutschland. In den Vereinigten Arabischen Emiraten verfügen wir in Dubai über ein Vertriebsbüro für den Mittleren Osten. In einigen Ländern dort unterliegen Produkte, die eine sichere Verschlüsselung implementieren, einer Export- bzw. Importbeschränkung. Darunter fallen auch unsere Produkte.

Z! Weitere Geschäftsfelder?

Neben den zwei großen Tätigkeitsschwerpunkten entwickeln wir Sonderlösungen für den Sicherheitsbereich Gesundheitswesen, wie z.B. für die elektronische Gesundheitskarte. Ein weiterer Bereich ist Dokumentenmanagement, hier beschäftigen wir uns mit digitaler Signatur.

Z! Wie haben Sie die Wirtschaftskrise genutzt oder wo sehen Sie Chancen?

Wir haben die Krise genutzt um bestimmte Bereiche zu stärken. Wir haben z.B. die Bestandskundenpflege ausgebaut und den Projektbereich intensiviert.

Z! Herr Schlottke, herzlichen Dank für das nette und interessante Gespräch.

Zur Person

Frank Schlottke ist verantwortlich für den Bereich Projekte USA und neue Geschäftsfelder und einer von drei Geschäftsführern von Applied Security GmbH. Weitere Geschäftsführer sind Herr Klaus-Peter Breitenbach, Vertriebsdirektor und Volker Röthel, Technischer Direktor. Das Unternehmen startete 1998 im Großwallstädter innoZ (heute ZENTEC) und hat seither das Team auf knapp 40 Mitarbeiter ausgebaut.

 

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