Inhalt:
Netzwerke, Cluster und Technologieförderungen
Erfolgreiche Technologieförderungen am Bayerischen Untermain
Der Einsatz von staatlichen Mitteln zur Förderung der Wirtschaft muss sich der ständigen Kritik aussetzen, dass der Staat doch bitte die Finger aus der Wirtschaft
lassen solle. Weder Christoph Kolumbus, der Entdecker Amerikas, noch die Entdecker und Vermarkter des Penecillins (Fleming, Florey und Chain) hätten ihre Ideen realisieren können, wenn nicht weitsichtige staatliche Investoren das Vorhaben unterstützt hätten.
Die Königin von Kastillien erhoffte sich, durch Kolumbus´ Expedition Edelmetallvorkommen zu sichern. Das Militär in Amerika versprach sich für seine verwundeten Soldaten ein wirksames Medikament. Damit standen Mittel für die Entwicklung produktiver Penecillin-Stämme zur Verfügung.
Große Ideen benötigen für die Überbrückung der oft mehrjährigen Anlaufphase wohlwollende Förderer. Heute greifen wir Förderprogramme der Innovationsberatungsstelle Nordbayern auf und stellen erfolgreiche Beispiele vom Bayerischen Untermain vor. Über die Möglichkeiten auf Bundesebene im Rahmen des Programm ZIM berichteten wir in der letzten Ausgabe.
Inzwischen gibt es einige interessante Ergänzungen des Förderprogramms:
Neues vom Förderprogramm ZIM
Am 2. Februar trat eine Änderung der Richtlinie des ZIM Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand in Kraft. Wichtigste Änderung ist, dass nun auch Betriebe bis 1000 Mitarbeiter (vorher 250) berücksichtigt werden können. Zusätzlich wurde das Programm um weitere 900 Mio. € auf ca. 1,5 Mrd. € aufgestockt und damit mehr als verdoppelt. Gefördert werden bei ZIM unter anderem Kooperationsprojekte zur Entwicklung innovativer Produkte, Verfahren oder technischer Dienstleistungen.
Als ersten Schritt empfi ehlt sich dabei, ein Projekt-Screening mit einem neutralen Berater durchzuführen. Grundsätzlich sind zwei wegweisende Eigenschaften des Vorhabens im Gespräch zu klären:
- Handelt es sich um ein förderfähiges Projekt? Und:
- Kann das Vorhaben einzelbetrieblich durchgeführt werden oder sollen Kompetenzen von Kooperationspartnern hinzugezogen werden?
Als regionale Technologieagentur bietet ZENTEC eine seriöse Einschätzung des Projektes und vermittelt neutral Kooperationspartner aus Wirtschaft und Wissenschaft. Aufgrund der langjährigen Erfahrung in der Betreuung von Technologieprojekten auf Landes- und Bundesebene sowie die vielfältigen Kontakte in die Förderszene, konnte ZENTEC bereits einige Projekte von Unternehmen der Region bei ZIM platzieren (noch in der Antragsphase).
Ansprechpartner
Sebastian Krug
Telefon: 06022 26-2050
E-Mail: krug@zentec.de

Udo Sauer
Die Innovationsberatungsstelle Nordbayern (IBN) informiert als zuständige Bewilligungsstelle aus erster Hand über die Technologie-Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie sowie über die Förderung von Umweltberatungen und Umweltmanagementsystemen bei kleinen und mittleren Unternehmen. In der ZENTEC in Großwallstadt unterhält die IBN eine Außenstelle und sichert den Unternehmen am Untermain
somit den schnellen und direkten Zugang zu den Technologie-Förderprogrammen des Freistaats.
BayTOU – Erste Wahl für technologieorientierte Gründer
Mit dem Auflegen des Bayerischen Programms zur Förderung technologieorientierter Unternehmensgründungen (BayTOU) wurde ein Förderinstrument geschaffen, das speziell auf die Bedürfnisse von technologieorientierten Unternehmensgründungen ausgerichtet ist. Zur Forcierung technologieorientierter Unternehmensgründungen sind zwei dominierende Hindernisse aus der Welt zu schaffen: mangelnde Information und Beratung der potenziellen Gründer sowie schwierige Finanzierungsbedingungen. Ziel der Förderung ist es, Firmengründungen in zukunftsträchtigen Technologiebereichen anzuregen und so einen Beitrag zur Schaffung hochqualifi zierter Arbeitsplätze und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zu leisten.
Das BayTOU-Programm erleichtert vor allem mit der Förderung der Konzeptphase einer technologieorientierten Unternehmensgründung den Firmenaufbau und unterstützt die Entwicklung innovativer Produkte, Verfahren sowie technischer Dienstleistungen. Eine technologieorientierte Unternehmensgründung hat eine innovative Entwicklung oder ein innovatives Verfahren zur Basis. Die Besonderheiten liegen speziell in der oftmals langwierigen Entwicklungsphase, bis die Marktreife des Produktes oder Verfahrens erreicht wird.
Mittelständische Technologieförderung
Damit insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen das zunehmende Tempo des technischen Fortschritts bewältigen können, wurde mit dem Bayerischen Technologieförderungs-Programm (BayTP) ein Förderinstrument geschaffen, das spezifisch auf die Bedürfnisse des Mittelstandes abgestimmt ist. Im Rahmen des Bayerischen Technologieförderungs-Programms fördert der Freistaat Bayern die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren sowie die beschleunigte Einführung und Verbreitung moderner Technologien, insbesondere bei mittelständischen Unternehmen. Die Entwicklung moderner Technologien ist notwendig, um angesichts des raschen technologischen Wandels die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu erhalten und durch ein angemessenes wirtschaftliches Wachstum einen hohen Beschäftigungsstand zu sichern. Die Förderung trägt zur Fortentwicklung der modernen Wirtschaftsstruktur in Bayern bei. In manchen Fällen wird BayTP auch für technologieorientierte Unternehmensgründungen angewandt, und zwar dann, wenn die Voraussetzungen für BayTOU z.B. aufgrund des Firmenalters, Firmengröße oder eventueller Beteiligungen nicht erfüllt sind.
Förderfähig im Rahmen des Bayerischen Technologieförderungs-Programms sind Vorhaben mit dem Ziel der Entwicklung technologisch neuer oder deutlich verbesserter Produkte und Produktionsverfahren.
Anwendervariante
Eine weitere Fördermöglichkeit besteht im Rahmen des Bayerischen Technologieförderungs- Programms – Anwendervariante. Hierbei sind Vorhaben förderfähig, die zum Ziel haben, neue Technologien in ein Unternehmen einzuführen, welche vom Antragsteller in wesentlichen Teilen nicht selbst entwickelt worden sind. Dabei muss es sich um den Einsatz neuer Technologien handeln, die sich in der jeweiligen Branche noch nicht durchgesetzt haben. Projektträger der Anwendervariante sind die jeweiligen Bezirksregierungen.
Ansprechpartner
Udo Sauer (IBN)
Telefon: 06022 26-2041
E-Mail: udo.sauer@lga.de
Erfolgreiche Beispiele

Reibergebnis graphisch dargestellt in einem Reibkennfeld
BayTOU
FILZEK TRIBOtech ist als tribologischer Dienst leister in der Blechumformung, Schneiden/ Stanzen sowie im Bereich Innenhoch druck- und Massivumformung tätig. Themen schwerpunkte sind die Analyse und Optimierung von Reibung, Schmierung, Werkzeugverschleiß oder Blechabrieb beim Umformprozess. In den Anfängen der Unternehmung wurde FILZEK TRIBOtech zunächst in der Konzeptphase später auch in der Entwicklungsphase aus Mitteln der BayTOU gefördert. Die Firma beschäftigt aktuell 4 Mitarbeiter.
Ziel des geförderten Vorhabens war ein neuartiges Nachschlagewerk “TRIBO atlas”, das Reib ergebnisse unterschiedlicher Anwendungen darstellt. Die Vielfalt der in der Blechumformung angebotenen und eingesetzten tribologischen Systemkomponenten und der Verarbeitungsverhalten ist wenig transparent. Diese Reibergebnisse können zum Beispiel als Entscheidungshilfe bei der Auswahl einer Prozessauslegung dienen. Das Wissenssystem TRIBOatlas gibt es in zwei Versionen: zum einen als gedruckte Ausgabe und zum anderen als Softwareversion. Der TRIBOatlas wird regelmäßig um weitere Reibergebnisse
ergänzt und ist somit ein umfangreiches Nachschlagewerk für die verarbeitende Industrie.
Ansprechpartner
Dr. Jan Filzek
Telefon: 06022 26-2160
E-Mail: filzek@triboconsult.de
BayTP - Anwendervariante

Der gebrochene Flansch kann digitalisiert werden und liefert somit Daten für die Herstellung eines neuen Flanschs für einen Oldtimer.
re-form.it hat 2008 erfolgreich einen Antrag für ein zinsgünstiges Darlehen im Rahmen des Programms BAY-TP Anwendervariante für den Erwerb eines High-Tech-Scanners gestellt. So konnten mehr als die Hälfte der Kosten des Geräts in Höhe von 125.000 Euro als Investitionsvorhaben bei der Regierung von Unterfranken berücksichtigt werden. re-form.it digitalisiert und vermisst Teile aller Art, um dies für den CAD/CAM-Bereich zugänglich zu machen. Diese Dienstleistung bietet das 4-köpfige Team um Geschäftsführer Friedbert Gehringer vor allem für den Werkzeug- und Formenbau, den Modellbau und die Fahrzeugindustrie an.
Der neu erworbene Scanner wird zum optischen Vermessen benutzt. Er bietet eine Genauigkeit je nach Teilgröße bis zu 0,01 mm. Zum Vermessen wird ein Teil digitalisier und anschließend mit den Solldaten abgeglichen. “Ich denke, dass in Zukunft diese Art der Vermessung immer öfter angefragt wird, da man auch einen Überblick über das gesamte Teil bekommt und anhand der Farbverteilung das Bauteil beurteilen kann. Probleme bei der konventionellen Art der Vermessung sehe ich auch in den oftmals maßlich vordefinierten Ausrichtelementen (RPS-Punkte). Niemand weiß, ob diese Punkte oder ihre Umgebung in Ordnung sind. Oft genügt es, einen dieser “Fixpunkte” in der jeweiligen Gießform zu korrigieren, und das gesamte Bauteil ist in Ordnung. Dies ist oftmals ein nur geringer Aufwand und erspart hohe Optimierungskosten. Das erkennt man aber nur, wenn das Teil komplett erfasst wird” erläutert Gehringer die Notwendigkeit der Anschaffung. Als Kunden konnte re-form.it z.B. Sirona Dental Systems oder Warema Kunststofftechnik gewinnen.
Eine weitere Anwendung ist, aus den digitalisierten Daten 3D-Modelle nach diesen “Ist-Daten” zu erstellen. Dies wird benötigt, wenn es keinerlei Dokumente der oftmals alten Teile gibt. So für Oldtimer oder als Ersatzteil für alte Maschinen, aber auch zum Abgleich für bestehende nicht aktuelle Datensätze. Kunden sind hier Formenbauer und Hersteller von Entgratwerkzeugen.
Ansprechpartner
Friedbert Gehringer
Telefon: 06022 6534-11
E-Mail: info@re-form.it





