Inhalt:
INTERVIEW
“Weltweites Engineering und Turn-key-Lösungen machen uns stark”
Dr. Ralph Günther von KINETICS im Gespräch mit den Z! Redakteurinnen

Dr. Ralph Günther
Rund fünfhundert Mitarbeiter arbeiten bei KINETICS GERMANY GmbH in Eschau. Anlagen und Rohrleitungen für die Reinstmedienversorgung in der Halbleiterindustrie, in der Photovoltaikindustrie, in der Pharmaindustrie und für Labore in den Bereichen Bio- und Lebenswissenschaften wer – den von Eschau aus projektiert, installiert und gewartet. Das zuletzt stark gewachsene Unternehmen mit amerikanischer Mutter ist weltweit, vor allem in Europa, Asien und Australien
tätig.
Z! Herr Dr. Günther, fühlen Sie sich als Tochter von der amerikanischen Mutter ernst genommen?
Auf jeden Fall. Unser deutsches Team ist führend in der technischen Entwicklung und Projektierung von High Purity Systemen für verschiedene industrielle Anwendungen. Das Know-how des Engineerings auch für Amerika kommt aus Eschau. Wir sind stark bei den Themen Reinstwassersysteme, Chemie- und Gaseversorgung sowie Reinraumtechnik. Die Amerikaner wissen unsere Arbeit durchaus zu schätzen und sind an einem Technologietransfer interessiert.
Z! High Purity Systeme für verschiedene industrielle Anwendungen. Was kann man sich darunter vorstellen?
In der Halbleiterindustrie und den Bio- und Lebenswissenschaften (neudeutsch Life Science) müssen die Prozesse sehr rein und exakt durchgeführt werden. Verschmutzungen im Maßstab von parts per trillion (ppt) oder parts per billion (ppb) können bereits zu Fehlern in der Produktion führen. Daher ist es bspw. notwendig, dass in der Versorgung mit Chemikalien und Gasen diese Grenzwerte nicht überschritten werden. Ergänzend verhindert die Reinraumtechnik,dass über die Luft und den Menschen Verunreinigungen in den Produktionsprozess gelangen.
Z! Es wird viel über die Krise geredet und die Auswirkungen auf die Unternehmen in Deutschland. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage für Ihr Unternehmen ein?
Natürlich merken wir, dass es in der Halbleiterindustrie momentan schwieriger wird. Aber wir sind breit aufgestellt und profitieren von zwei Trends. Zum einen: es entstehen immer mehr Fabriken für Solarmodule. Zum anderen: die Golfstaaten investieren sehr viel in hochwertige Ausbildung. So entstehen dort Eliteuniversitäten mit gigantischen Forschungsinstituten. Für beide Bereiche sind wir als Turn-key-Lieferant ein kompetenter Ansprechpartner.
Z! Turn-key, was bedeutet das?
Wir bauen schlüsselfertige Fabriken bzw. Labore für unsere Kunden. Das heißt, der Kunde hat nur noch zwei beauftragte Unternehmen: uns und einen Tool-Lieferanten. Wir sind unter anderem zuständig für die Planung des Flächenbedarfs, für die Statik, die Sicherheitstechnik und die Prozessgewerke wie Reinraumtechnik, Versorgung mit und Entsorgung von Gasen, Chemikalien und Wasser. Der Tool-Lieferant plant und liefert die Laborgeräte und die Produktionsanlagen im engeren Sinne.
Z! Welche neuen Geschäftsfelder haben Sie in den letzten Jahren erschlossen und wo führt die Reise hin?
Wir bieten seit einiger Zeit sehr erfolgreich das Facility Management an. So warten wir die Anlagen, kümmern uns um die Ver- und Entsorgung, übernehmen das Gefahrgutmanagement und vieles mehr. Außerdem haben wir einige neue Produkte in der Pipeline: Für die dezentrale Wasserreinigung haben wir einen Prototypen in Amman aufgestellt. Außerdem arbeiten wir daran, Systeme für eine wirtschaftliche Rückgewinnung von Wertstoffen aus Produktionsrückständen,
die z.B. bei der Halbleiterindustrie anfallen, zu entwickeln. Teure Chemikalien, die als Hilfsstoffe bei der Produktion nur wenig belastet werden, könnten so wieder verwendet werden.
Z! KINETICS ist ein großer Arbeitgeber in der Region. Wie decken Sie Ihren Fachkräftebedarf?
Das ist ein ganz wichtiges Thema für uns. Sowohl qualifizierte Handwerker wie Schlosser und Elektriker als auch Ingenieure fast aller Fachbereiche sind schwer zu bekommen. Wir haben daher die Strategie, möglichst früh auf uns aufmerksam zu machen und so junge Leute für eine Karriere bei uns zu interessieren. Wir bieten Praktikantenplätze und freuen uns über Diplomarbeiter. Wir bilden selbst aus und denken aktuell verstärkt über den dualen Ausbildungsgang nach. Wir haben verstanden, dass Unternehmen selbst aktiv werden müssen, um gute Leute zu bekommen, auszubilden und dann auch zu halten.
Z! KINETICS agiert weltweit. Gibt es auch regionale Verknüpfungen?
Selbstverständlich. Wir arbeiten unter anderem mit Weber und WIKA zusammen. Und auch die CIBA Vision gehört zu unserem Kundenkreis.
Z! Eine abschließende Frage: Wie beurteilen Sie den Standort Bayerischer Untermain?
Seit ich vor zwei Jahren bei KINETICS angefangen habe, pendele ich an den Wochenenden “nach Hause” – in die Nähe von Hamburg. Zunächst war ich überrascht, wie eng doch das Rhein-Main-Gebiet ist: hier findet man alles komprimiert auf kleinem Raum. Eine wirtschaftlich starke und mit guter Infrastruktur ausgestattete Region, die auch landschaftlich und kulturell Vieles zu bieten hat.
Z! Herr Dr. Günther, herzlichen Dank für das nette und interessante Gespräch.
Z U R P E R S O N
Dr. Ralph Günther ist seit zwei Jahren Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung bei KINETICS GERMANY GmbH in Eschau.
Telefon: 09374 9722-197
E-Mail: ralph.guenther@kinetics.net
Z U K I N E T I C S
Die amerikanische Gesellschaft KINETICS hat Ende der 90iger Jahre das Unternehmen von Firmengründer Reinhold Fäth übernommen. Viele der damaligen Mitarbeiter sind noch an Bord. Viele weitere Arbeitsplätze wurden in dem stark wachsenden Unternehmen seither geschaffen.





