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INTERVIEW

Ludwig Jakob
„Nischen erkennen und besetzen ist unsere Stärke“
Ludwig Jakob im Gespräch mit den Z! Redakteurinnen
Die Firma Jakob Antriebstechnik ist ein in Kleinwallstadt alt eingesessenes Zulieferunternehmen für den Werkzeugmaschinenbau.
Aus dem ursprünglich im Nebenberuf gegründeten Unternehmen ist ein deutschlandweites Netz an Schwesterfirmen entstanden, die als Nischenanbieter weltweit agieren.
Z! Herr Jakob, Sie haben Ihr Unternehmen 1970 im Nebenberuf gegründet. Wie kam es dazu?
Ich arbeitete damals als Ingenieur für Bosch und es gab immer wieder Liefer- und Qualitätsprobleme mit bestimmten Zulieferteilen aus den USA. Ich habe dann in einer Art Garagenfabrik begonnen, die Teile selbst herzustellen und konnte sie bei Bosch erfolgreich platzieren. Außerdem habe ich mit mäßigem Erfolg Zulieferteile an WIKA verkauft.
Z! Was war dann der Durchbruch für Sie?
1973 hatte sich mein Geschäft so gut entwickelt, dass ich meine Stelle bei Bosch aufgeben konnte und in Vollzeit für mein eigenes Unternehmen arbeitete. In der Zeit entstand auch meine erste Patentanmeldung – die Balgkupplung – die später einige Nachahmer in der Region fand.
Z! Die Jakob Gruppe agiert vornehmlich im Allgäu. Wie kam es dazu?
Anfang der 90iger Jahre, wir waren in Kleinwallstadt inzwischen 40 Mitarbeiter, stellte ich fest, dass ein Bereich der Firma Ott im Allgäu in Schwierigkeiten steckte. S
Der Bereich umfasste 60 Mitarbeiter und die Übernahme war nicht einfach, aber wir haben es gemeistert. Später waren im Umfeld weitere Firmen, die einen Nachfolger suchten. Mit einigen wurde ich handelseinig. So sind nun etwa 350 Mitarbeiter der Jakob Gruppe im Allgäu und 150 an den übrigen Standorten.
Z! Die Jakob Gruppe zählt aktuell ein knappes Dutzend an Schwestergesellschaften? Soll der Trend weitergehen?
Nein, auf keinen Fall. Wir prüfen derzeit die Zusammenlegung von Unternehmen, die sich gut ergänzen könnten. Schließlich möchte ich den Überblick behalten und mich nicht verzetteln.
Z! Viele Unternehmen klagen über den großen Wettbewerbsdruck. Wie sehen Sie das?
Der Maschinenbau ist in Deutschland nach wie vor ein attraktiver Markt. Insbesondere wenn man Nischen besetzt, wie wir das tun. Das kann man in Japan und China nicht einfach so kopieren. Und mit den vielseitigen komplementären Produkten sind wir gut aufgestellt für die Zukunft.
Z! Welche Rolle spielt in Ihrem Unternehmen das Thema Entwicklung?
Eine sehr große. Um den Vorsprung gegenüber den vorwiegend asiatischen Konkurrenten zu halten und auszubauen, investieren wir sehr viel in Inhouse-Entwicklungen. Das zeigt schon unser hoher Akademikeranteil von etwa 30%.
Z! Haben Sie auch schon mal von öffentlichen Fördermitteln bei Ihren Entwicklungen profitiert?
Wir konnten es bisher immer aus eigener Kraft stemmen. Inzwischen gilt die Gruppe auch für viele Förderprogramme als zu groß. Für Unternehmer/innen und Gründer/innen, denen die Eigenkapitalbasis fehlt, sind solche Starthilfen aber sicher sehr sinnvoll.
Z! Arbeiten Sie auch mit externen Entwicklungspartnern zusammen?
Ja, wir kooperieren häufig mit dem Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) an der TU Darmstadt. Prof. Abele sucht regelmäßig Industriepartner für bestimmte Bereiche und da haben wir uns schon einige Male erfolgreich beworben. Unter anderem haben wir auch zahlreiche Zulieferteile für die Prozesslernfabrik CiP, die an das PTW angeschlossen ist, gefertigt.
Z! Wo liegen Ihre aktuellen Schwerpunkte bei der Entwicklung?
Jedes der Schwesterunternehmen hat eigene Entwicklungsziele. Allmatic Jakob entwickelt beispielsweise einen Sensor zur Messwertaufnahme und Datenübertragung, der mit minimalem Energieeinsatz arbeitet. Den Einsatz eines solchen telemetrisch optimierten Systems stellen wir uns in der Fertigungsindustrie vor.
Z! Eine Frage zum Schluss. Wir bewerten Sie den Standort Bayerischer Untermain?
Wir arbeiten weltweit. Unser Exportanteil liegt geschätzt bei circa 85%. Der Standort ist für uns daher gar nicht so wichtig. Allerdings schadet es im Zuge der überregionalen Wahrnehmung und der Mitarbeiteranwerbung sicher nicht, dass wir in einer für Automation und Mechatronik bekannten Region sitzen. Daher unterstützen wir auch die Aktivitäten des KompetenzNetz Mechatronik & Automation.
Herzlichen Dank für das nette Gespräch, Herr Jakob.
Ansprechpartner
Ludwig Jakob
Telefon: 06022 2208-0
E-Mail: info@jakobantriebstechnik.de
ZUR JAKOB GRUPPE
Die Jakob Gruppe umfasst insgesamt 11 Schwestergesellschaften. Das Produktportfolio umfasst unter anderem Kupplungen und Getriebe, Spannelemente, Werkzeugspanner und Zulieferteile für die Pressenautomation. Auch in der Nanotechnologie und der High-Tech-Vakuumtechnik ist die Jakob Gruppe präsent. Standorte sind neben Kleinwallstadt auch Karlsruhe, Scheuerfeld (bei Köln) und im Allgäu Lengenwang, Unterthingau und Pfronten.
Gründer der Jakob Antriebstechnik, dem ersten Unternehmen der Jakob Gruppe, ist Ludwig Jakob. Der Maschinenbauingenieur begann 1970 im Nebenberuf seine
eigene unternehmerische Existenz aufzubauen.





