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VERANSTALTUNGEN
Globaler Klimawandel erfordert weltweite Zusammenarbeit
Prof. Hartmut Graßl zeigte im InnovationsForum belegte Klimadaten und stellte mögliche Szenarien vor

Prozentuale Änderungen vom maximalen Trockenperioden im Szenario A1B; maximale Trockenperiode definiert als maximale Anzahl von aufeinander folgenden Tagen innerhalb eines Jahres mit täglicher Niederschlagsmenge unterhalb eines Schwellwertes von 1mm; dargestellt ist prozentuale Änderung der 30-jährigen Mittelwerte im Zeitraum 2071-2100 bezogen auf Mittelwerte der Jahre 1961-1990
“Das Problem ist nicht, dass das Klima sich wandelt, sondern, dass die beobachtete Geschwindigkeit des Wandels und die prognostizierte Dynamik sehr hoch ist, denn die Ökosysteme können sich nicht schnell genug anpassen”, so das Fazit des weltweit renommierten Wissenschaftlers vom Max-Planck -Institut für Meteorologie, Hamburg.
Unter der Annahme, dass aufgrund von Wirtschaftswachstum, Globalisierung und Zunahme der Weltbevölkerung auch der Energiebedarf steigt, müssen jetzt wirksame Maßnahmen zur Energieeinsparung sowie zur Nutzung von erneuerbarer Energien ergriffen werden, um den pro-Kopf-Ausstoß von CO2 als dem wichtigsten Treibhausgas in den kommenden Jahrzehnten kontinuierlich und deutlich zu vermindern.
Verursacherprinzip nicht angewendet
Fossile Brennstoffe liegen weltweit noch hoch im Kurs, da sie relativ billig und die Verfahren zur Herstellung und Nutzung etabliert sind. Dies, so Graßl, läge daran, dass zu Gunsten starker Interessengruppen wie der Energie- oder, Mineralölkonzerne, aber auch der Automobilindustrie und des Speditionsgewerbes, die Preise für fossile Brennstoffe insofern niedrig gehalten werden, als externe Effekte und Kosten nicht in die Energiepreise einberechnet sind. Das heißt zum Beispiel, dass für Deutschland 20 – 40 Mrd. € pro Jahr durch den Klimawandel verursachte Schäden aus Hochwassern, Stürmen etc. nicht in den Preis für Diesel, Benzin und Erdgas etc. einberechnet werden. Traditionelle Energieträger verdrängen ohne entsprechende gesetzliche Regelungen damit erneuerbare Energien. Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Energiequellen.
Folgen für Deutschland – und die Welt?
Das Intergovermental Panel on Climate Change (ein Forum, bei welchem weltweit mehr als 2000 Wissenschaftler Klimadaten erfassen und bewerten) hat in seinem im Frühjahr vorgestellten Bericht für die Breiten, in denen Deutschland liegt, keine nennenswerten Änderungen der Ernteerträge prognostiziert bei einer weiteren globalen Erwärmung bis circa 3,5°C. In niederen Breiten rund um den Äquator sieht die Sache aber anders aus: “Dort führt selbst eine geringe globale Temperaturerhöhung tendenziell zu sinkenden Getreideerträgen, wobei insbesondere Dürren und Überschwemmungen die Landwirtschaft – insbesondere im Selbstversorgungssektor – gefährden.” Damit hat das Verhalten von Emittenten möglicherweise nachhaltigen Einfluss auf weit entfernt liegende Länder und Nationen.
Grenzüberschreitende Problematik
Selbst wenn Deutschland oder weite Teile der USA zunächst weniger vom Klimawandel spüren als die Bevölkerung Südeuropas, Südamerikas oder Teilen Asiens: die Probleme rücken spätestens dann zu uns vor, wenn unkontrollierbar Menschen aus den niederen Breiten in die höheren abwandern, da ihnen die Lebensgrundlage Wasser und Nahrung im eigenen Gebiet versiegt. Daher sei ein globaler Ansatz für den Schutz des Klimas notwendig.
Was lange währt wird endlich gut?
Lange Zeit wurde auf internationaler politischer Ebene nicht viel hinsichtlich einer gemeinsamen Strategie zum Klimaschutz erreicht. Bahn brechend schätzt Prof. Graßl ein, dass Kanzlerin Angela Merkel sich im Sommer dieses Jahres mehrmals international geäußert hat, dass es gleiches (Emissions-) Recht für alle Menschen der Erde geben müsse. Dies könne in Industrienationen nur durch Schrumpfung des CO2-Ausstoßes erreicht werden und damit einer Angleichung an das Niveau anderer, im Entwicklungsprozess befindlicher Volkswirtschaften.
Ansätze finden sich im deutschen System in Gesetzen wie dem Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien und in Förderprogrammen, z.B. für die energetische Sanierung von staatlichen Liegenschaften. Außerdem wurden zusätzliche Mittel für die Forschung und Entwicklung zur Verfügung gestellt. Besonders intensiv würde der Freistaat Bayern auf die Nutzung staatlicher Förderprogramme für die Sanierung von Gebäuden zugreifen; ca. 50% der bundesweit abgeschöpften Mittel würden von Bauherren aus Bayern genutzt, die besonders früh auf die Angebote und Möglichkeiten hingewiesen wurden. Bayern sei, so Graßl, deutlich besser organisiert als andere Bundesländer.
Herausforderung an Unternehmen
Vor dem Hintergrund langfristiger Herausforderungen bieten sich für Unternehmen eine Reihe von Herausforderungen und Chancen. Herausforderungen bestehen bspw. darin, bei Lieferantenbeziehungen, die über viele Jahre aufgebaut werden müssen, frühzeitig darauf zu achten, ob etwaige klimatische Veränderungen Einflüsse auf deren Zuverlässigkeit haben können. Chancen liegen zum Beispiel darin, der zunehmenden Bedeutung regenerativer Energiequellen Rechnung zu tragen und kreative Lösungen zu finden. So könnte z.B. die Variation des Energiebedarfs über den Tagesverlauf genutzt werden, um in Abhängigkeit von dem Energiebedarf den Preis laufend neu anzupassen. Elektrogeräte müssten dann so konstruiert werden, dass man sie, sofern ein flexibler Einsatz über den Tag möglich ist, dann automatisch einschaltet, wenn der Strompreis gerade günstig ist. Oder es könnten länderübergreifende Kooperationen eingegangen werden, bei denen überschüssiger Strom, der aus Wind- oder Sonnenenergie stammt, in Form von Wasserkraftwerken zwischengespeichert wird, so dass er in Spitzenzeiten zur Verfügung steht. Mit derartigen Änderungen einher müssten aber auch energetische Optimierungen von Prozessanlagen gehen, bspw. durch den Einsatz regelbarer Elektromotoren.

Prof. Dr. Hartmut Graßl
Prof. Dr. Hartmut Graßl
Bekannt geworden ist Prof. Hartmut Graßl unter anderem durch seine Tätigkeiten als Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, als Mitglied der Enquete-Kommission “Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre” und als Vorsitzender des “Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen”.

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